Der Oldenburger Kreuzkampf
Im November 1936 erlebte Cloppenburg etwas, das es im nationalsozialistischen Deutschland kaum je gab: Ein öffentlicher Protest zwang das Regime zum Rückzug. Als die Kreuze aus den Schulen verschwinden sollten, stand das Oldenburger Münsterland auf – und gewann.

Der Kreuzerlass
Der oldenburgische Minister für Kirchen und Schulen, Julius Pauly (NSDAP), ordnet an, religiöse Zeichen aus staatlichen und kommunalen Gebäuden zu entfernen – und damit auch die Kreuze aus den Schulen des katholisch geprägten Oldenburger Münsterlandes. Die Volksschulen waren damals durchweg Bekenntnisschulen; der Erlass zielte darauf, sie ihrer christlichen Prägung zu berauben.
Der Protest wächst
Der Bischöfliche Offizial Franz Vorwerk in Vechta verurteilt den Erlass in einer Kanzelerklärung als Angriff auf das Christentum und ruft die Gläubigen auf, für die Kreuze in den Schulen einzutreten. Aus den Pfarreien fahren Abordnungen nach Oldenburg, um Minister Pauly zur Rede zu stellen. Auch die Bekenntnissynode der evangelisch-lutherischen Kirche Oldenburgs schließt sich den Protesten an. Am 18. November versammeln sich rund 3.000 Menschen – darunter etwa 2.000 Kriegsveteranen – trotz strömenden Regens an der Wallfahrtskirche in Bethen.
Der Showdown in der Münsterlandhalle
Zu einer Kundgebung mit Gauleiter und Reichsstatthalter Carl Röver strömen Tausende in die Cloppenburger Münsterlandhalle – die Gedenktafel am Mahnmal spricht von etwa 7.000, andere Quellen von über 10.000 Menschen. Unter dem Druck der aufgebrachten Menge muss Röver noch in der Halle die Rücknahme des Kreuzerlasses verkünden: Die Kreuze bleiben in den Schulen. Die NS-Ideologie im Unterricht blieb davon allerdings unberührt.
Wirkung – und Preis
Trotz Pressezensur verbreitet sich die Nachricht über diesen beispiellosen Vorgang rasch in ganz Deutschland und im Ausland. Der Kreuzkampf gilt bis heute als einer der ganz wenigen erfolgreichen öffentlichen Proteste gegen das NS-Regime. Folgenlos blieb er für die Beteiligten nicht: Am 30. Juni 1937 wurden sechs von ihnen verhaftet, einer kam ins Konzentrationslager Oranienburg; weitere Festnahmen folgten.
„Möge ihre Haltung für alle Christen, weit hinaus über die Grenzen unserer Heimat, insbesondere für unsere Jugend Vorbild und Beispiel sein.“
Das Mahnmal heute
An den Kreuzkampf erinnert seit 1961 ein Mahnmal des Cloppenburger Architekten Karl Kösters: eine Sandsteinmauer mit hoch aufragendem Holzkreuz und einer Bronzetafel, die die Ereignisse von 1936 nacherzählt. Es steht an der Eschstraße am Marktplatz – nur wenige Schritte von der Münsterlandhalle entfernt, in der sich der Protest damals entlud.
Eschstraße / Marktplatz, 49661 Cloppenburg – frei zugänglich
Quellen: Gedenktafel am Kreuzkampf-Mahnmal (Eschstraße), Wikipedia („Kreuzkampf“), Oldenburger Münsterland (Mahnmal-Verzeichnis). Teilnehmerzahlen der Kundgebung variieren je nach Quelle zwischen etwa 7.000 und über 10.000.