Die Geschichte Cloppenburgs
Über 1.200 Jahre in einem Zeitstrahl: von der ersten Erwähnung Krapendorfs über die Burg, die der Stadt ihren Namen gab, bis zu dem Tag, an dem 10.000 Menschen dem NS-Regime die Stirn boten – und den Kapiteln, die schwer wiegen.
Anfänge
819–1296- 819
Krapendorf wird erstmals erwähnt
Lange bevor es Cloppenburg gab, lag hier Krapendorf – eine Siedlung am Geestrand mit eigener Pfarrei. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 819. Um 1200 taucht der Haupthof „curia Gropendorf“ im Besitzverzeichnis des Klosters Corvey auf.
- 1297
Die Burg gibt der Stadt ihren Namen
Am 5. Januar 1297 hält eine Urkunde einen Grundstückstausch fest: Graf Otto III. von Tecklenburg lässt auf einem Hof in Hemmelsbühren eine Burg errichten. Mit ihr wird der Name „Cloppenburg“ zum ersten Mal genannt – die Geburtsstunde der Stadt.
Münsterland
1297–1802- 1400
Cloppenburg kommt zu Münster
Ein Friedensvertrag zwischen Münster und Tecklenburg ordnet das Gebiet um Cloppenburg und Friesoythe als Amt Cloppenburg dem Hochstift Münster zu. Diese Zugehörigkeit prägt die Region bis heute – sie ist der Grund, warum das Oldenburger Münsterland katholisch blieb.
- 1411
Erste Privilegien
Am 9. März 1411 erhält der Burgflecken vom Bischof von Münster das Weichbildrecht – stadtähnliche Freiheiten, aber noch kein volles Stadtrecht.
- 1435
Cloppenburg wird Stadt
Am 5. Januar 1435 verleiht Bischof Heinrich II. von Moers das Stadtrecht mit eigener Gerichtshoheit – dazu ein Wappen mit dem heiligen Paulus, dem Patron des Münsteraner Domkapitels.
- 1668/69
Rathaus, Kapelle und Bethen
Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen weiht 1668 eine neue Stadtkapelle und das Rathaus ein. Ein Jahr später folgt die Gnadenkapelle St. Marien in Bethen – Grundstein des heutigen Wallfahrtsorts.
- 1728
St. Andreas in seiner heutigen Gestalt
Der barocke Neubau der St.-Andreas-Kirche in Krapendorf wird vollendet. Sie ist bis heute die katholische Hauptkirche der Stadt.
Oldenburger Zeit
1803–1932- 1803
Vom Bistum zum Herzogtum
Mit dem Reichsdeputationshauptschluss endet die geistliche Herrschaft: Cloppenburg wird Teil des Herzogtums Oldenburg. Katholische Bevölkerung, evangelischer Landesherr – eine Spannung, die noch im 20. Jahrhundert eine Rolle spielen wird.
- 1855/56
Cloppenburg und Krapendorf werden eins
Am 1. Mai 1856 wird der Flecken Krapendorf von der Landgemeinde abgetrennt und mit Cloppenburg zu einer Stadtgemeinde vereinigt. Aus zwei Orten wird die Stadt, wie wir sie kennen.
- 1866
Die Synagoge wird eingeweiht
Auf einem vom Großherzog überlassenen Grundstück im Hofkamp baut die jüdische Gemeinde unter Gemeindevorsteher Daniel Meyer ihre Synagoge. Im September 1866 wird sie geweiht – sie steht an der Einmündung der Krankenhausstraße in die Ritterstraße.
- 1875
Anschluss ans Schienennetz
Am 15. Oktober 1875 geht das Teilstück Oldenburg–Quakenbrück über Cloppenburg in Betrieb; bis Osnabrück durchgehend befahrbar ist die Strecke ab 1876. Cloppenburg rückt näher an die Welt – ein Wendepunkt für Handel und Wachstum.
- 1893
Neues Rathaus an der Langen Straße
Die wachsende Stadt bekommt ein neues Rathaus. Um 1900 leben hier allerdings erst rund 2.700 Menschen – Cloppenburg ist noch ein Landstädtchen.
NS-Zeit & Krieg
1933–1945- 1922/1934
Vom Heimatmuseum zum Museumsdorf
Lehrer Heinrich Ottenjann (1886–1961) beginnt 1922 mit dem Aufbau eines heimatkundlichen Museums. Am 20. August 1934 fällt der erste Spatenstich für das Museumsdorf – heute eines der ältesten Freilichtmuseen Deutschlands, das Gelände umfasst rund 20 Hektar. Die Nationalsozialisten förderten das Vorhaben und vereinnahmten es für ihre Heimat- und Blut-und-Boden-Ideologie; das Museum arbeitet diese Zeit heute selbst auf.
- 25. November 1936
Der Kreuzkampf – als Cloppenburg dem Regime trotzte
Am 4. November 1936 ordnet der oldenburgische Minister für Kirchen und Schulen, Julius Pauly (NSDAP), an, religiöse Zeichen aus staatlichen Gebäuden und damit auch aus den katholischen Schulen zu entfernen. Der Protest wächst rasant: Am 18. November versammeln sich rund 3.000 Menschen – darunter etwa 2.000 Kriegsveteranen – trotz strömenden Regens in der Wallfahrtskirche Bethen, wo Kaplan Franz Uptmoor zum Widerstand aufruft. Am 25. November strömen über 10.000 Menschen in die Cloppenburger Münsterlandhalle und stellen Gauleiter Carl Röver. Unter dem Druck der Versammlung nimmt er den Erlass teilweise zurück: Die Kreuze bleiben in den Schulen – die NS-Ideologie im Unterricht blieb davon unberührt. Der „Oldenburger Kreuzkampf“ gilt als einer der ganz wenigen erfolgreichen öffentlichen Proteste gegen das NS-Regime. Folgenlos blieb er für die Beteiligten nicht: Am 30. Juni 1937 wurden sechs von ihnen verhaftet, einer kam ins Konzentrationslager Oranienburg; weitere Festnahmen folgten.
- 9. November 1938
Novemberpogrom: Die Synagoge brennt
In der Nacht vom 9. auf den 10. November steckt ein SA-Kommando die Synagoge in Brand; die alarmierte Feuerwehr darf unter Protest nur die Nachbarhäuser schützen. Der jüdische Friedhof wird geschändet – Schüler werden von Lehrern dorthin geführt und stoßen Grabsteine um. Die männlichen jüdischen Einwohner werden in „Schutzhaft“ genommen und ins Konzentrationslager Sachsenhausen/Oranienburg gebracht, wo sie mehrere Wochen bleiben. 1933 lebten etwa 38 Juden in Cloppenburg, 1939 waren es noch 18. Rund 20 gelang die Flucht in die USA und nach Südafrika; die Übrigen wurden ins besetzte Polen deportiert. Mindestens 20 Cloppenburger Jüdinnen und Juden wurden in Ghettos und Vernichtungslagern ermordet. Nach dem Krieg kehrte ein Einziger zurück. Einer der SA-Rädelsführer, Johannes Braasch, fiel im Krieg und konnte nie zur Verantwortung gezogen werden. Dieselbe Stadt, die zwei Jahre zuvor für ihre Kreuze aufgestanden war, schwieg hier.
- 10. April 1945
Luftangriff auf die Innenstadt
Kurz vor Kriegsende zerstören Luftangriffe rund 150 Gebäude in der Innenstadt. Nach Zeitzeugenaussagen sterben etwa 200 Menschen. Das historische Stadtbild ist weitgehend verloren – der Wiederaufbau prägt das Cloppenburg von heute.
Nach 1945
1945–heute- 1962
Museumsdorf im Aufschwung
Bundespräsident Heinrich Lübke eröffnet den restaurierten Quatmannshof. Das Museumsdorf wird zum überregionalen Anziehungspunkt.
- 1977
Bethen wird Basilika minor
Papst Paul VI. erhebt die Wallfahrtskirche in Bethen in den Rang einer Basilica minor – eine Auszeichnung für den nördlichsten Marienwallfahrtsort Deutschlands.
- 1978/79
Fußgängerzone und Umgehungsstraße
Die Innenstadt wird autofrei, die äußere Umgehungsstraße fertiggestellt. Der Marktplatz und die Lange Straße werden zu dem Treffpunkt, der sie heute sind – Bühne für Wochenmarkt, Cityfest und Mariä-Geburtsmarkt.
- 1989/90
Städtepartnerschaft mit Bernay
Cloppenburg schließt eine Partnerschaft mit Bernay in der Normandie – Versöhnung und Austausch über Grenzen hinweg.
- 1997
Neues Rathaus
Die Stadt weiht ihr neues Rathaus ein.
- 2010
Stolpersteine erinnern an die Ermordeten
Am 8. November 2010 verlegt der Künstler Gunter Demnig 39 Stolpersteine vor neun früheren Wohnhäusern jüdischer Cloppenburger. Bereits 1983 war am Standort der Synagoge eine Stele mit Bronzeplatte errichtet worden.
- 2011/2015
Soestebad und Kulturbahnhof
2011 öffnet das neu gestaltete Soestebad, 2015 der Kulturbahnhof mit KunstHalle – aus dem alten Bahnhof wird ein Ort für Konzerte, Theater und Ausstellungen.
- heute
Eine Stadt mit über 36.000 Menschen
Aus rund 2.700 Einwohnern um 1900 sind heute über 36.000 geworden. Cloppenburg ist Kreisstadt, Einkaufs- und Schulstandort für die Region – und ein Ort, dem man seine Geschichte an vielen Stellen noch ansieht.
Geschichte zum Anfassen
Drei Orte in und um Cloppenburg, an denen diese Zeitleiste greifbar wird.

Museumsdorf Cloppenburg
Eines der großen Freilichtmuseen Deutschlands – historische Höfe, Handwerk und Tiere
EntdeckenStolpersteine und Synagogen-Gedenkstein
Rund 40 Steine vor den früheren Wohnhäusern jüdischer Cloppenburger, dazu der Gedenkstein am Ort der Synagoge.
Entdecken
Wallfahrtsort Bethen
Marienwallfahrtsort mit Basilika und Gnadenkapelle · Bethen
EntdeckenDer Heimatverein Cloppenburg

Vieles von dem, was auf dieser Seite steht, wäre ohne ehrenamtliche Arbeit längst verloren. Der Heimatverein Cloppenburg e. V. betreibt im KRAPP-Haus an der Sevelter Straße das Archiv Stadtgeschichte – eine Sammlung aus Fotos, Dias, Postkarten, Urkunden, Karten und Akten zur Stadt. Betreut wird sie von Ehrenamtlichen, die Material sichten, digitalisieren und für die Nachwelt sichern.
Montags geöffnet
Jeden Montagnachmittag von 14 bis 17 Uhr – Anmeldung empfohlen.
Offen für alle
Wer zur Stadtgeschichte oder zur eigenen Familie forscht, ist willkommen.
Fotos gesucht
Der Verein nimmt Material gern entgegen – auch jünger als 100 Jahre – und scannt es.
Archiv Stadtgeschichte im KRAPP-Haus, Sevelter Straße 4 · Tel. 04471 708 2586 (montags) · archivclp@gmx.de
Quellen
Diese Übersicht ist eine Zusammenstellung für Einsteiger, keine wissenschaftliche Darstellung. Zusammengetragen aus:
- Stadt Cloppenburg – Geschichte
- Wikipedia – Cloppenburg
- Wikipedia – Synagoge Cloppenburg
- Wikipedia – Kreuzkampf
- Wikipedia – Museumsdorf Cloppenburg
- Kirche und Leben – Wie sich das Oldenburger Land gegen das Nazi-Regime zur Wehr setzte
- Jüdische Gemeinden – Cloppenburg
- NWZ – Gedenken: 39 Stolpersteine für Cloppenburg
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