Kriegsende in Cloppenburg
Im April 1945 wurde Cloppenburg zum Schlachtfeld: Nach dem verheerenden Luftangriff verlief die Front tagelang mitten durch die Stadt – die Soeste trennte Angreifer und Verteidiger. Was in diesen Tagen geschah, erklärt bis heute, warum die Innenstadt so aussieht, wie sie aussieht.
Der Luftangriff
Wenige Wochen vor Kriegsende zerstören alliierte Luftangriffe rund 150 Gebäude in der Innenstadt. Nach Zeitzeugenaussagen sterben etwa 200 Menschen; 64 zivile Opfer werden in einem Massengrab beigesetzt. Am Tag darauf ist die Stadt fast menschenleer – wer kann, flieht aufs Land.
Die Front verläuft mitten durch die Stadt
Reste der Division „Großdeutschland“ und das Regiment Poeschmann machen die Soeste zur Hauptkampflinie – der Fluss teilt Cloppenburg in zwei Hälften, alle Übergänge werden gesprengt. In der Nacht beginnt schwerer Artilleriebeschuss. Auf britischer Seite erhält das 7. Bataillon des Hampshire Regiments (43rd Wessex Division) den Auftrag, die Stadt zu nehmen und zwei Soeste-Brücken zu sichern. Nach dem Übergang über den Fluss und der Besetzung des Krankenhauses folgen erbitterte Häuserkämpfe, große Teile der Stadt stehen in Flammen.
„Kloppenburg ging verloren“
Die Wehrmacht erhält den Absetzbefehl und zieht in der Nacht Richtung Bethen ab. Für Cloppenburg ist der Krieg damit faktisch vorbei – dreieinhalb Wochen vor der deutschen Kapitulation. Das Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht vermerkt den Fall der Stadt in einem einzigen lapidaren Satz.
Bilanz und Wiederaufbau
Die Kämpfe forderten hohe Verluste auf beiden Seiten. Die Pfarrkirche St. Andreas war schwer beschädigt, das historische Stadtbild weitgehend zerstört. Der Wiederaufbau der Nachkriegsjahre prägt das Gesicht der Innenstadt bis heute – wer sich fragt, warum die Lange Straße kaum alte Fassaden hat: Hier liegt die Antwort. An die Toten erinnert die Kriegsgräberstätte auf dem St.-Andreas-Friedhof.
„Kloppenburg ging verloren.“
Auch das Museumsdorf traf es
Am 13. April 1945 zerstörte Artilleriebeschuss sechs Gebäude des Museumsdorfs – darunter den Quatmannshof, das größte und bekannteste Bauernhaus der Anlage. Er wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut. Wenn dort heute beim Kultursommer Open-Air-Konzerte stattfinden, steht die Bühne also vor einem Stück Wiederaufbaugeschichte.
Zum MuseumsdorfQuellen: NWZ („Die verlustreichen Kämpfe um die Stadt im April 1945“), Royal Hampshire Regiment Museum (7th Battalion, North West Europe), Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (Kriegsgräberstätte St.-Andreas-Friedhof), Wikipedia (Museumsdorf Cloppenburg). Opferzahlen variieren je nach Quelle; die Angaben folgen den Zeitzeugenberichten und den Aufzeichnungen des Volksbunds.