Wer war eigentlich Pingel Anton?
Eine Oberschule trägt seinen Namen, ein Platz in der Innenstadt, sogar eine Gaststätte – Pingel Anton muss ein bedeutender Cloppenburger gewesen sein. Kleiner Haken: Es gab ihn nie. Pingel Anton war eine Eisenbahn.
Die Bahn hinter dem Namen
Am 1. Februar 1903 nahm die schmalspurige Cloppenburger Kreisbahn ihren Betrieb auf: rund 29 Kilometer von Cloppenburg über Lastrup und Lindern bis zur damaligen preußischen Landesgrenze bei Auen. Ihr Endbahnhof lag links am Cloppenburger Bahnhofsvorplatz. Ein halbes Jahrhundert ruckelte die kleine Bahn durchs Land – 1953 wurde der Betrieb eingestellt, Bus und Lkw hatten sie überholt.
Warum „Pingel“?
Die Strecke hatte unzählige unbeschrankte Übergänge – und so musste die Lok pausenlos läuten, um Fuhrwerke, Radfahrer und Fußgänger zu warnen. Aus diesem Dauergebimmel – plattdeutsch „pingeln“ – wurde der Spitzname. Solche Bimmelbahnen gab es überall im Nordwesten: Im Münsterland hieß das Pendant „Pängel Anton“.
Und warum „Anton“?
Ganz ehrlich: Das weiß niemand mehr genau. Der Vorname machte aus der Maschine einen Menschen – man schimpfte, wartete und witzelte eben lieber über „den Anton“ als über „die Kleinbahn Cloppenburg–Landesgrenze“. Warum es ausgerechnet Anton wurde und nicht Heinrich oder Bernd, ist nicht überliefert. Vielleicht die schönste Pointe: Cloppenburgs bekanntester Namensgeber war nie eine Person.
Wo der Anton heute weiterlebt
Die Gleise sind längst verschwunden, der Name blieb: Die spätere Realschule entstand auf einem Grundstück „am Pingel Anton“ östlich der Bahnhofstraße – der Weg dort trug den Namen der alten Kleinbahn. Im Volksmund hieß die Schule sofort so; offiziell in den Schulnamen aufgenommen wurde „Pingel Anton“ aber erst 2004. Dazu kommen der Pingel-Anton-Platz und die Gaststätte Zum Pingel Anton – und in Lindern erinnert bis heute eine Straße an die alte Trasse.
Quellen: Lothar Riedel, „Pingel-Anton. Die Cloppenburger Kreisbahn“ (1980); Schulchronik der Oberschule Pingel Anton; Gemeinde Lindern (gast-in-lindern.de); Wikipedia („Pängel Anton“). Die Herkunft des Vornamens „Anton“ ist in den Quellen nicht belegt – wir sagen das lieber ehrlich, statt eine hübsche Legende zu erfinden.